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www.cgjung.com - ein Projekt von Dieter Klein und Henning Weyerstraß,
vorgestellt in der CHIP - Foto Video Digital in Ausgabe 09.2004:
Dr. phil. Annelen Kranefuss
In Search of C. G. Jung oder Auf den Spuren von C. G. Jung
Seit jeher hat die Faszination von Orten, an denen Werke der Kunst, der Philosophie, der Kultur entstanden sind, Menschen zu Bildungsreisen und Besichtigungsfahrten verlockt. Das, was bei der eigenen Lektüre, an welchem Ort auch immer, im Kopf lebendig wurde, das wollen sie im Außen festmachen. Eine Erwartung, hinter der nur allzu oft Enttäuschung lauert. Denn was kann die Fassade des Hauses in Prag, in dem Kafka Die Verwandlung" schrieb, schon zum Verständnis dieser Erzählung beitragen? Verstehen wir die Philosophie von Hegel oder Schopenhauer besser, wenn wir wissen, an welchem Schreibtisch sie konzipiert wurde? Meiden Sie wie nichts sonst die Geburts- und Existenz- und Sterbensorte unserer Geistesgrößen" lässt Thomas Bernhard eine seiner Figuren sagen (zit. nach Rainer Moritz, Mit Proust durch Paris", Frankfurt 2004, S. 12).
Doch schon Goethe riet: Wer den Dichter will verstehen, der muss in Dichters Lande gehen." Könnte es sein, dass der Anblick von Orten geistiger Produktion das Verständnis der Autoren und Werke befördert, weil sie sich über das Auge tiefer im Gedächtnis verankern lassen?
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Etwas von diesem Impuls muss auch die Fotoexkursionen der beiden Kölner Dieter Klein und Henning Weyerstraß inspiriert haben. Immer wieder hatte der EDV-Spezialist Weyerstraß seinem Freund, dem Fotografen, von seiner Jung-Lektüre und dem Vorhaben erzählt, Jungs Werke auf CD zugänglich zu machen, den jahrelangen Vorarbeiten bis alles elektronisch eingelesen und korrigiert war, den Besuchen in Zürich, um die Genehmigung der Erbengemeinschaft C. G. Jungs für das Projekt zu erhalten. Bis eines Tages der Funke übersprang und der Plan entstand, gemeinsam in die Schweiz zu fahren und die Orte der Analytischen Psychologie C. G. Jungs aufzunehmen: das Wohnhaus an der Seestraße in Küsnacht, den Turm in Bollingen am oberen Zürichsee, das Haus des Psychologischen Clubs in der Gemeindestraße Zürich, lange Jahre auch Sitz des C. G. Jung-Instituts, oder das heutige Haus des Instituts in Küsnacht. Gewiss, es gibt vereinzelte Ansichten auf alten Schwarz-Weiß-Fotos. Aber wie sieht es dort heute aus?
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Es war kein primär journalistisches oder nur touristisches Interesse, das Klein, den mehrfach ausgezeichneten Fotokünstler, zu dieser Fahrt bewog. Er ist seit längerer Zeit auf eine besondere Form von Foto-Stillleben spezialisiert, bei denen es um optische Korrespondenzen zwischen thematisch vorgegebenen Motiven und intuitiv ausgewählten Fundstücken und Orten geht, das heißt um einen künstlerischen, nicht musealen Zugang. Strandgut der Geschichte" nannte Klein das, was er mit einem besonderen Blick fand und fotografierte. |
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Ausschlaggebend ist ein Interesse am Zusammentreffen des Konkreten und des Symbolischen, von Schrift, Bild und Ort und an der Verschränkung der Zeitebenen damals und heute.
So begann eine Schatzsuche mit ungewissem Ausgang. Immerhin handelte es sich im Wesentlichen um für die Öffentlichkeit nicht zugängliche, zum Teil noch heute von den Nachkommen C. G. Jungs privat genutzte Gebäude und Interieurs. Zunächst war es eine Fahrt ins Blaue. Wir haben überhaupt keine Erwartungen" und Wir rechnen mit allem" - mit diesen Beschwörungsformeln machten sich die beiden auf den Weg. Von Mai 2003 bis März 2004 fuhren sie dreimal nach Zürich zu Gesprächen mit Familienangehörigen Jungs bei wechselnden Ortsterminen. Immer dabei die Digitalkamera, mit der sich ohne großen Aufwand auch detailbezogene Bilder machen lassen.
Eine Besonderheit der Serie sind die von Klein am Ort arrangierten Bild im Bild"- Fotografien. Im farbig aufgenommenen Raum steht eine Staffelei mit einem Schwarz-Weiß-Foto desselben Motivs. Es dokumentiert, oft von einem ganz ähnlichen Kamerastandpunkt aus, wie der Ort vor 50 oder mehr Jahren ausgesehen hat. Das Verblüffende: auf den ersten Blick hat sich offensichtlich kaum etwas geändert - Schreibtisch und Wohnzimmer z.B. sind so erhalten wie sie sich zu Lebzeiten Jungs präsentierten. Während die Farbaufnahme des heutigen Zustands, ästhetisch schön, Zeitlosigkeit suggeriert, erinnert das einmontierte alte Foto an das Vergehen von Zeit, vor allem wenn darauf Personen zu sehen sind, die inzwischen nicht mehr leben. Auf den Spuren von C. G. Jung" - dazu gehört auf diesen Bildern das Bewusstsein des historischen Abstands bei gleichbleibenden Motiven. Einen ähnlichen Effekt hat der Stillleben-Schnappschuss vom Tisch im Innenhof des Turms in Bollingen, an dem gerade jemand seinen Tee getrunken hat.. Zucker, Brot und Tasse sind von heute und verweisen doch mit ihren einfachen Formen ebenso wie der Tisch auf Archetypisches.
Die Farbfotos werden in dem Bildband Auf den Spuren von C. G. Jung", herausgegeben von Dieter Klein und Henning Weyerstraß, zusammen mit aktuellen Textbeiträgen sowie als Kalender für das Jahr 2005 publiziert. Einzeln und als 12er Serie in hochwertigen Drucken sind sie, ebenso wie Kalender und Bildband, über die Website des Dieter Klein-Verlags www.cgjung.com zu beziehen.
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